CAPE TOWN – WALVISBAY – ST. HELENA – NATAL

Sonntag Nachmittag, 27. Januar, NINA POPE startet für eine weitere Überquerung des Atlantischen Ozeans. Die erste Etappe führt 700 nm nördlich nach Namibia mit mehrheitlich Wind von achtern. Was wir hier kurz nach der Ausfahrt aus dem Hafen von Cape Town etwa 3 Meilen vor Tableview erleben, ist ein Geschenk der Natur. Wir segeln bei guten 20 kn Wind und leichtem Wellengang und sehen plötzlich Wale vor und neben uns. Diese grossen Kolosse tummeln sich gemütlich im kalten Atlantikwasser, tauchen auf und schnaufen aus, sonnen ihren Körper und verabschieden sich mit der Schwanzflosse. Auf meinen bisherigen Reisen habe ich oft Wale gesehen, aber was sich da vor unsern Augen abgespielt hat ist unglaublich. Ich übertreibe nicht, aber das waren insgesamt sicher 20 Wale.

WALVISBAY – Die ersten 3 Tage segeln wir mit mehrheitlich starkem Wind Richtung Norden, dann brauchen wir zur Abwechslung wieder den Motor, um am 5. Tag in der Bucht von Walvisbay den Anker zu setzen. Im Vergleich zu Kapstadt ein kleiner Ort mit Zentrum, Villenviertel und nicht unweit davon die primitiven Hütten der armen Bevölkerung. Von Walvisbay aus haben wir kleine Landausflüge gemacht, vor allem die «Düne 7», ein riesiger Sandhaufen, der je nach Windrichtung und Windstärke immer wieder neue Formen hat.

ST. HELENA – Ein Tag früher als vorgesehen, wegen schlechten Windprognosen, verlassen wir Namibia am Sonntagabend und nehmen die 1250 nm entfernte Insel ST. Helena als Ziel. Der Wind hält sich tapfer und wir kommen gut voran. Eine ruhige See und 12 – 15 kn Wind veranlasst mich den Gennaker zu setzen. Fast wie ein Spinnaker eingesetzt verhelfen diese 180 m2 der NINA zu einem konstanten Speed von 8 – 11 kn. Wieder kurz vor dem Ziel wechseln wir wieder zum Dieselmotor und machen am 8. Tag in der Bucht von Jamestown an der Boje fest. Eine Idylle ist St. Helena, ein Souvenierstück der Engländer im Südatlantik, aber schon eher von Mitte letztem Jahrhundert… (Tristan da Cunha ist von der Lage, Erreichbarkeit und Grösse ca. 200 Einwohner schon eindrücklicher gewesen.) Am wärmsten habe ich die einheimischen von Jamestown empfunden. Egal ob Frau oder Mann, ein herzliches „Good afternoon“ mit einem Lächeln, Freundlichkeit fast übertrieben… oder kennen wir das nicht mehr?

NATAL – Nach 3 Tagen auf der Insel machen wir uns an die grösste Strecke (1850 nm) bis Natal, im Nordosten von Brasilien. Wiederum sind die Wetterprognosen das grösste Übel. Ok für die ersten paar Tage, doch dann sieht’s nach Motor aus… oder doch nicht? Dem Gennaker scheint es zu gefallen und wir fahren damit auch nachts mit Autopilot bei Windgeschwindigkeiten bis zu 18 kn. Erst am zweitletzten Tag zwingt uns der Wind zum Motoren und wir erreichen Natal am 27. Februar morgens um 08.30. Etwas Glück hat uns diese Motorphase auch noch gebracht. Unser südafrikanische Koch «Frans» hat so im letzten Moment noch einen 7 Kg Fisch aus dem Wasser holen können und hat ihn noch am gleichen Abend auf dem Cockpit Tisch serviert

NEWS VOM FESTLAND

Das Jahr 2019 ist schon ein paar Tage alt und wir sind alle gespannt, was uns das letzte Jahr des Jahrzehnts alles bringen mag. Hoffen wir doch  vor allem auf gute Gesundheit, Glück und Erfolg, etwas Mut für neue Taten und neue Erlebnisse. Das ist’s was ich euch wünsche.

Seit ende September liegt die NINA POPE nun im sicheren Hafen von Cape Town Waterfront. Während dieser Zeit wurde das ganze Rigg revidiert und verstärkt. Dazu musste der 23 m hohe Mast ausgebaut werden, steht aber seit dem 26.Oktober wieder stolz am alten Ort, mit neuen elektrischen Leitungen und mit neuem Tricolor Toplicht, bereit für den nächsten Trip.

Am 30. Oktober bestieg ich das Flugzeug um nach 8 Monaten wieder mal nach Hause zu fliegen. Das war ein lange ersehnter Wunsch, Beatrice und meine ganze Familie und Freunde in der Schweiz wieder zu treffen. Die Zeit hat nicht ganz gereicht alle Freunde zu treffen aber ich habe sehr genossen, die Weihnachtstage mit meiner Familie zu verbringen. Seit dem Neujahrstag,  nach ein paar Tagen im Val Müstair, bin ich wieder in Cape Town und geniesse die Stadt noch 2 Wochen zusammen mit Beatrice. Dank einer Einladung von Frans haben wir ein paar Tage in Port Elisabeth verbracht, mit Besuchen in Nationalparks.

Am 26. Januar starte ich mit einer neuen Crew in Richtung NAMIBIA – ST. HELENA – NATAL (Brasilien). Mit einem Landgang in Namibia und in St. Helena werden wir anfangs März Natal an der brasilianischen Nordostküste erreichen.

Mit diesem Link könnt ihr die NINA POPE auch auf dem Südatlantik verfolgen

MAURITIUS – CAPE TOWN

Nach 7 Wochen in Mauritius sind meine NINA POPE und ich wieder startklar. NINA wird mit sauberem glatten Unterschiff bestimmt viel leichter durchs Wasser gleiten. Markus und Herbert werden mich auf den nächsten 2500 Seemeilen begleiten. Je nach Wind werden wir 16 – 18 Tage auf See sein und eine möglichst direkte Route Richtung Cape Town wählen. Bis zum Eintreffen von Herbert am 11. September haben Markus und ich für die nächsten 3 Wochen gebunkert, sodass wir nach einem gemütlichen Essen im Restaurant in der Nacht auf Mittwoch ablegen können. Die Wetterprognosen sind ok, Start mit wenig Wind, doch in den Morgenstunden soll es auffrischen bis 14 Knoten, schönes Wetter mit wenig Wellengang ist angesagt. Diese Verhältnisse veranlassen uns bei Tageslicht den ca. 200 m2 Genacker einzusetzen und wir erleben wunderschöne Speedfahrten bis 11 kn bei Windgeschwindigkeiten von 13 – 16 kn. Der Wind ist uns jedoch nicht immer treu und wir sind gezwungen den Motor auch längere Zeit einzusetzen. Die Stimmung an Bord ist gut, wir geniessen nicht nur die Ruhe weitab vom Festland, wir geniessen auch das hervorragende Essen von Herbert zubereitet und ab und zu ein „PHOENIX“.

Die Tage fliegen an uns vorbei während wir Richtung Madagaskar einen immer stärker werdenden Gegenstrom feststellen. Entgegen den Erwartungen trifft er uns mit bis zu 2.5 kn voll auf dem Bug und bringt unsere Fahrt über Grund auf unter 4 kn. Damit haben wir nicht gerechnet und müssen erneut für lange Zeit den Motor einsetzen, um das nächste gute Wetterfenster zu erreichen. Ca. 200 nm südlich von Madagaskar frischt der Wind wieder auf… 18, 22, 25 – 30 kn bringen uns wieder auf die geliebten Speedfahrten, jedoch treffen auch da wieder Hochdruckgebiete auf uns zu, was oft zu Flauten führt. Der Bruch einer Mittelwante mit einem harten Knall beunruhigt uns, wir haben jedoch keine andere Möglichkeit ausser des Sicherns des baumelnden Teils um weitere Beschädigungen an Mast oder Segel zu verhindern.  Ca. 300 nm vor Port Elisabeth SA meint es der Wind eher zu gut mit uns. Bei 25 kn aufwärts über 6 Stunden reffen wir unsere Segel auf ein Minimum, um die Nacht sicher zu überstehen. Es wurden 30, 35… bis über 40 kn achterlich… unsere NINA flog sichtlich durch die Nacht wie auf einer Achterbahn die Wellen runter surfend, mit Speed über 15 kn. Unser bester Freund ist wieder einmal mehr unser „BLACK EYE“ (Autopilot). In den Morgenstunden lässt der Wind langsam nach und wir rechnen so bis Mittag in Port Elisabeth einzutreffen, um dort Schutz zu finden vor dem angekündigten SW Tief mit über 30 kn Wind. Mit dem Winddreher auf SW mit 28 – 32 kn erreichen wir den rettenden Hafen P. Elisabeth mit einem letzten harten Kampf gegen Wind und Wellen erst im Dunkeln.

Die Wetterberuhigung anderntags nützen wir um nach Mossel Bay zu fahren und da auf den Windwechsel für die günstigen Winde aus Ost zu warten. Nach einem gemütlichen Tag in Mossel Bay mit Essen im Restaurant und Barbesuch  legen wir um Mitternacht ab und nehmen die letzten 250 nm bis Cape Town in Angriff. Zuerst Richtung Süden um den Wind zu nützen, gegen Mittag Richtung Westen mit unsern geliebten 25 kn von achtern geniessen wir die erneute Sichtung von Walen und die Begleitung von etwa 30 Delfinen bei gutem Speed um die 10 kn. Wir umrunden das Cape Agulhas, die südlichste Spitze von Afrika und treffen um 5 Uhr morgens auf’s „Kap der guten Hoffnung“ vor Cape Town. Der Wind lässt nach und nach einem gemütlichen letzten Vormittag bereiten wir uns auf die Einfahrt in die V&A Marina Waterfront vor. Etwas müde von den Tagen auf See, aber glücklich nach den Strapazen geniessen wir den Schritt aufs Festland zum Weissbier in der Bar BASCULE.

Die Zeit in Cape Town brauche ich nun für die Kontrolle und Reparatur des gesamten Riggs, welches durch die extremen Verhältnisse Schaden genommen hat. Sparcraft Cape Town, Hersteller des Masts wird Verstärkungen am Mast anbringen, Associated Rigging, eine Spezialfirma für Rigg’s wird die Kontrolle machen und die Arbeiten ausführen. Für mich beginnen die Vorbereitungen für den nächsten Abschnitt meiner Reise zurück in den Südatlantik nach Namibia, St. Helena und wieder nach Fernando de Noronha Ende Januar 2019. Vorher werde ich für 2 Monate in die Schweiz zurückreisen, zu meiner Familie und zu meinen Freunden.